Through the Eyes of the Liechtensteiner

The first thing you hear as morning arrives over Vaduz is the soft, clear sound of a church bell striking once fromSt. Florin Cathedral, mingled with the distant jingle of cowbells on the mountain slopes and the scent of freshAlpkäse and fresh bread drifting from a nearby home. That bell-sound carries our story back to a time ofmountains and quiet, when we lived as the people of Liechtenstein. Our ancestors built castles on steep slopeslike Vaduz and Gutenberg, grew wine in the valleys, herded cows on alpine meadows. They lived in harmonywith the Alps as father and the Rhine as mother: farmers who worked their land with care, families whocollaborated in small communities, craftsmen who held precision and quality high. Every family knew thecelebrations of Staatsfeiertag on 15 August when everyone gathered at the castle, the bond stronger than size,the silence that always made room for reflection. That was our golden time: a small land of mountains andvalleys, where people lived with nature as guide and community as law, free and connected through simplicityand trust.

But then came the wave from outside, like a cold wind that blew for centuries. The Habsburgs ruled us for long,the Swiss and Austrians tried to incorporate us, the world wars brought tensions and neutrality that protected usbut also isolated us. Every family knew the loss: an ancestor who fought in the shadow of greater powers, a childwho learned that size is not everything, a culture that had to adapt to a rapidly changing world. Independence in1806 and modern neutrality brought stability, but also the challenges of a small country: dependence onneighbors, the pressure of globalization, the emigration of youth.

From that depth rises a pride that is calm and solid. The Alpkäse still made by hand, the wine from the Malanservalley, the precision of our industry and banks. Our people who are quiet and reliable, our nature that protects us,our connectedness stronger than size. We have found our voice again: the neutrality that brings peace, thedemocracy that works, the hope that grows in the mountains.

Yet the truth colors magenta like a sunset over the Rhine. The scars remain: the memory of dependence, theemigration of youth, the pressure of a rapidly changing world on a small land. The outside world buys ourprecision and our calm, but often does not feel the depth of a people that never broke.

Still, we remember in silence: on the squares where Staatsfeiertag is celebrated, during 15 August when weraise our flag, in the mountains where spirits still speak—never forgetting who we were. We tell our children ofthe old castles and of neutrality, of the mountains and the Rhine, so they know: we were connected and strongbefore we were challenged.

And yet… the bell-sound continues, clear and persistent, like a promise that the mountains always breatheagain. That is our secret: we have suffered under dependence and change, but we were first a land of mountainsand simplicity. For our children we build no walls, but an alpine meadow where everyone may walk. How do welet that bell-sound bring freedom to everyone again, how does Liechtenstein remain a home of calm and trust?

January 2026

Manna Ori

Durch die Augen eines Liechtensteiners

Das Erste, was du hörst, wenn der Morgen über Vaduz kommt, ist der sanfte, klare Klang einer Kirchenglocke, die einmal von der St.-Florin-Kathedrale schlägt, vermischt mit dem fernen Gebimmel von Kuhglocken an den Berghängen und dem Duft von frischem Alpkäse und frischem Brot, der aus einem nahen Haus weht. Dieser Glockenklang trägt unsere Geschichte zurück in eine Zeit von Bergen und Ruhe, als wir als Volk von Liechtenstein lebten. Unsere Vorfahren bauten Burgen an steilen Hängen wie Vaduz und Gutenberg, bauten Wein in den Tälern an, hüteten Kühe auf den Almwiesen. Sie lebten in Harmonie mit den Alpen als Vater und dem Rhein als Mutter: Bauern, die ihr Land mit Sorgfalt bearbeiteten, Familien, die in kleinen Gemeinschaften zusammenarbeiteten, Handwerker, die Präzision und Qualität hochhielten. Jede Familie kannte die Feste des Staatsfeiertags am 15. August, wenn alle beim Schloss zusammenkamen, die Verbundenheit stärker als Größe, die Stille, die immer Raum für Besinnung ließ. Das war unsere goldene Zeit: ein kleines Land von Bergen und Tälern, wo Menschen mit der Natur als Führer und der Gemeinschaft als Gesetz lebten, frei und verbunden durch Einfachheit und Vertrauen.

Doch dann kam die Welle von außen, wie ein kalter Wind, der jahrhundertelang wehte. Die Habsburger herrschten lange über uns, die Schweizer und Österreicher versuchten, uns einzugliedern, die Weltkriege brachten Spannungen und Neutralität, die uns schützte, aber auch isolierte. Jede Familie kannte den Verlust: einen Vorfahren, der im Schatten größerer Mächte kämpfte, ein Kind, das lernte, dass Größe nicht alles ist, eine Kultur, die sich einer schnell verändernden Welt anpassen musste. Die Unabhängigkeit 1806 und die moderne Neutralität brachten Stabilität, aber auch die Herausforderungen eines kleinen Landes: Abhängigkeit von Nachbarn, der Druck der Globalisierung, die Abwanderung der Jugend.

Aus dieser Tiefe steigt ein Stolz auf, der ruhig und gediegen ist. Der Alpkäse, der noch immer von Hand gemacht wird, der Wein aus dem Malanser Tal, die Präzision unserer Industrie und Banken. Unsere Menschen, die ruhig und zuverlässig sind, unsere Natur, die uns schützt, unsere Verbundenheit, die stärker ist als Größe. Wir haben unsere Stimme wieder gefunden: die Neutralität, die Frieden bringt, die Demokratie, die funktioniert, die Hoffnung, die in den Bergen wächst.

Doch die Wahrheit färbt sich magenta wie ein Sonnenuntergang über dem Rhein. Die Narben bleiben: die Erinnerung an Abhängigkeit, die Abwanderung der Jugend, der Druck einer schnell verändernden Welt auf ein kleines Land. Die Außenwelt kauft unsere Präzision und unsere Ruhe, spürt aber oft nicht die Tiefe eines Volkes, das nie brach.

Dennoch gedenken wir in Stille: auf den Plätzen, wo der Staatsfeiertag gefeiert wird, am 15. August, wenn wir unsere Flagge hissen, in den Bergen, wo die Geister noch sprechen – nie vergessen, wer wir waren. Wir erzählen unseren Kindern von den alten Burgen und von der Neutralität, von den Bergen und dem Rhein, damit sie wissen: Wir waren verbunden und stark, bevor wir herausgefordert wurden.

Und doch… klingt das Glockenspiel weiter, klar und anhaltend, wie ein Versprechen, dass die Berge immer wieder atmen. Das ist unser Geheimnis: Wir haben unter Abhängigkeit und Wandel gelitten, aber wir waren zuerst ein Land von Bergen und Einfachheit. Für unsere Kinder bauen wir keine Mauern, sondern eine Almwiese, auf der jeder gehen darf. Wie lassen wir diesen Glockenklang wieder Freiheit für alle bringen, wie bleibt Liechtenstein ein Zuhause von Ruhe und Vertrauen?

Januar 2026

Manna Ori

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